CHEYENNE - THIS MUST BE THE PLACE ist ein Film über die Jagd nach einem Kriegsverbrecher, dessen Spur sich im Hinterland in den USA verloren hat; ein Film über einen
Mann, der die Hülle der Vergangenheit nicht abstreifen kann und gezwungen ist, im Damals zu verharren, während sich die Welt um ihn immer schneller dreht; ein Film über Söhne, die ihren Frieden mit ihren Vätern machen wollen, die sie nie gekannt haben. Und es ist ein Film über Rockmusiker und Rockmusik, über eine ganz bestimmte Ästhetik, die aus den Überresten des Punk erwuchs und die Popmusik in den Achtzigerjahren geprägt hat, um sich nach und nach auch auf das Kino zu übertragen.
Das lässt sich am deutlichsten an der Hauptfigur ablesen, die man auch als Paolo Sorrentinos personifizierte Liebeserklärung an die Musik seiner Jugend und ihre Künstler betrachten kann. Ein Blick auf Cheyenne reicht, und man findet alle nötigen Hinweise und Anspielungen: Rein äußerlich kann nur Robert Smith gemeint sein, der legendäre Sänger von The Cure. Die toupierten schwarzen Haare, das aschfahl geschminkte Gesicht, der Kajal, der Lippenstift, der Regisseur selbst erklärt, dass Smith die entscheidende Inspiration für die Figur des Cheyenne war: ein erwachsener Mann um die Fünfzig, der nur hinter der Maske, die er seit nunmehr 30 Jahren konsequent trägt, gealtert ist: Wie Cheyenne ist auch er heute noch ein Goth. Weil es das ist, was er ist. So wie The Cure auch heute noch zuverlässig sind, was sie immer schon waren. Eine Band, die 1976 in den Wirren der Aufbruchstimmung der ersten Punkwelle entstand, aber schon auf ihren frühesten Aufnahmen im Jahr 1978 erkennen ließ, dass es keine Vorbilder für sie gab: Nur sie selbst lieferten die Blaupause für ihren pessimistischen Postpunk. Der Rolling Stone verglich ihre Musik mit einem »Marathon an Angstzuständen« und beschreibt damit auch ziemlich genau Cheyenne. Dessen hohe, kieksende und betont ausdruckslose Sprechstimme findet ihre Entsprechung im wehmütgien Klagegesang Smiths, aber ähnelt auch frappierend der Intonation von David Byrne, dem Sänger und Kopf der Talking Heads.
Nicht von ungefähr wurde Byrne von Sorrentino ausgewählt, die Musik für CHEYENNE - THIS MUST BE THE PLACE zu schreiben. Der Filmtitel basiert auf einem Song der Talking Heads, den Byrne 1983 für das Album Speaking in Tongues komponiert hatte und der auch heute noch zu den Klassikern der Band zählt: ein fast schon hoffnungsfrohes Stück für einen Mann, der die Phrase Stop Making Sense wie ein Mantra
wiederholte. Wie The Cure zählten die 1975 gegründeten Talking Heads zur Speerspitze der ersten Punkbewegung. Der musikalische Ansatz der New Yorker mag gänzlich anders sein als der der britischen Kollegen – ihre Musik war zunächst geprägt von nervösem minimalrhythmischem New Wave, eine verkopfte Variante des direkten Punkrock, die alsbald mit afrikanischen Polyrhythmen erweiter wurde zu einem modernen Weltmusik-Pop. Mit The Cure teilen die Talking Heads die miesepetrige Weltsicht: Sie spiegeln, so das Pop Lexikon, »eine kaputte Seelenwelt der Verklemmungen« – was wiederum auch auf Cheyenne zutrifft: In einer bemerkenswerten Szene des Films besucht der gerade in New York gelandete Cheyenne ein Konzert der Talking Heads und trifft danach seinen alten Freund David Byrne: Es ist auffällig (und auch sehr komisch), wie sehr sich die Sprechstimmen der beiden Männer ähneln.
Aber es finden sich noch weitere Verweise auf maßgebliche Rockkünstler der Achtzigerjahre: Der Name von Cheyennes Band, Cheyenne and the Fellows, leitet sich von Siouxsie and the Banshees ab, die 1976 in London im Dunstkreis der Sex Pistols gegründet wurden, aber bald schon dem Punk entsagten, um als eine der ersten Bands einem düsteren Wavesound zu fröhnen, der von tribalistischen Drums, sirrenden Gitarren und natürlich Siouxsies expressivem Bariton, als würde Nico höchstselbst aus der Schattenwelt rufen, beherrscht wurde. Das Pop Lexikon machte »vokal und instrumental extreme voyeuristische Geisterbahnfahrten durch ein Horrorhaus der Mythen, Monster und Mutationen« aus. Zu Beginn der Achtzigerjahre stieß zwischenzeitlich ausgerechnet Robert Smith von The Cure zur Band. Cheyennes Refugium in Dublin spielt auf die Heimatstadt von Bono, Sänger von U2, an – ein weiterer ehemaliger Punk, der mit seiner aus dieser Ursuppe entwickelten Musik in den 80’s Rockgeschichte schrieb. Und gewisse Ticks sowie Cheyennes ausgeprägte Geschlechtslosigkeit verweisen zudem auf Morrissey, dessen Band The Smiths heute als die bedeutendste britische Gruppe der Achtzigerjahre genannt wird. Der All Music Guide weist Morrisseys poetischen Texten »romantische Lebensangst und soziale Entfremdung« zu.
Und schließlich fällt es schwer, in der gebeugten Körperhaltung und dem schlurfenden Gang Cheyennes nicht Ozzy Osbourne wiederzuerkennen. Zugegeben, er fällt aus der Rolle und will nicht so recht zu
den anderen Vorbildern der Figur passen. Zu der Zeit, als die ihre entscheidende Hochphase erlebten, hatte Osbourne als Sänger von Black Sabbath, deren Frontmann er von 1969 bis 1978 war, bereits eine komplette Karriere hinter sich. Und natürlich war Ozzy nie Punk, sondern gilt als einer der Innovatoren des Heavy Metal. Tatsächlich erlebte er aber in den frühen Achtzigerjahren einen zweiten Frühling. 1980 war Osbourne nach Jahren der Drogen- und Alkoholabhängigkeit geheilt mit dem Album Blizzard of Oz wie ein Phönix aus der Asche gestiegen und zu einer der Galeonsfiguren der New Wave of British Heavy Metal geworden. Angetrieben von seinem genialen Gitarristen Randy Rhoads war ihm das Comeback gelungen, bis ihn im März 1982 ein Schicksalsschlag nachhaltig wieder aus der Bahn warf. Es sollte eigentlich ein alberner Streich sein. Bei einem morgendlichen Zwischenstopp stieg Randy Rhoads trotz seiner Flugangst in eine einmotorige Propellermaschine, die mehrere Male im Tiefflug über den Tourbus,
in dem auch Osbourne schlief, hinweg flog, bis eine Tragfläche das Dach streifte und das Flugzeug abstürzte. Roads und die beiden anderen Insassen waren sofort tot. Osbourne erholte sich nie wieder richtig von diesem traumatischen Erlebnis, eine ähnliche Tragödie ist es, die Cheyenne aus dem Rampenlicht fliehen lässt.
Von den musikalischen Einflüssen ist es kein weiter Weg zu den filmischen Referenzen. So wie es die Postpunk-beeinflusste Musik der frühen bis Mittachtziger ist, die Paolo Sorrentinos Kreativität beflügelt, lässt sich auch das Independentkino dieser Ära als Inspiration entdecken. Es ist kein Zufall, dass der italienische Regisseur für seinen ersten in den USA entstandenen Film die Form des Roadmovies wählt: Mit Variationen des Roadmovies hatten Jim Jarmusch, Gus Van Sant und Allison Anders das unabhängige amerikanische Kino, wie man es heute kennt, begründet: Ihre frühen Filme STRANGER THAN PARADISE (1983), MALA NOCHE (1986) oder BORDER RADIO (1987) hatten es sich zur Aufgabe gemacht, fernab der Künstlichkeit Hollywoods das Land neu zu vermessen, und drückten eine Sehnsucht nach Aufbruch ebenso aus wie eine gewisse Verzweiflung, das das Ziel nie so gut wie der Weg sein kann. Mit der Besetzung von Harry Dean Stanton in einer entscheidenden Nebenrolle verneigt sich Sorrentino
zusätzlich vor zwei weiteren offenkundigen Vorbildern, Wim Wenders’ Goldene-Palme-Gewinner PARIS, TEXAS (1984), in dem Stanton die Hauptrolle gespielt hatte, und David Lynchs altersmilder Roadtrip
STRAIGHT STORY - EINE WAHRE GESCHICHTE (1999), in dem Stanton am Ende der Reise von Richard Farnsworth einfach dasitzt und wartet. Es sind skurrile Fahrten durch ein Land, das so groß und unendlich erscheint, als wäre es von der Zeit vergessen worden. Von einer texanischen Gemeinde in diesem unendlichen Land erzählt auch das Regiedebüt von Talking-Heads-Sänger David Byrne, TRUE STORIES (1986), womit sich der Kreis schließt. Es sollte aber noch angemerkt werden, dass die satte Farbpalette von CHEYENNE - THIS MUST BE THE PLACE in besonderem Maße Jonathan Demmes kultisch verehrtem Roadmovie SOMETHING WILD (Gefährliche Freundin, 1986) mit Melanie Griffith, Jeff Daniels und Ray Liotta geschuldet ist. Demme war auch Regisseur von STOP MAKING SENSE (1984), dem legendären Konzertfilm über die Talking Heads. This must be the place. In der Tat.
In „CHEYENNE – THIS MUST BE THE PLACE“ brilliert Sean Penn in seiner wohl bisher außergewöhnlichsten Rolle: Cheyenne war ein gefeierter Rockstar. Er ist 50 Jahre alt und sieht immer noch so aus wie damals, ein Goth mit schwarzen, toupierten Haaren, weiß geschminktem Gesicht und rotem Lippenstift. Seit Jahren lebt er zurückgezogen mit seiner Frau Jane (FRANCES McDORMAND) in einer Villa in Dublin, immer sachte schwankend zwischen gepflegter Langeweile und nagender Depression. Wenn man Sean Penn zusieht, wie er sein Makeup auflegt und sich in Cheyenne verwandelt, wird man unweigerlich an Robert Smith von The Cure erinnert, der diesen Look maßgeblich mitprägte. Und wer würde in der gebeugten Körperhaltung und dem schlurfenden Gang Cheyennes nicht Ozzy Osbourne wiedererkennen? Die beiden Musiker standen maßgeblich Pate bei der Entwicklung der Filmfigur Cheyenne.
Während Cheyenne sich früh aus dem Musikbusiness zurückgezogen hatte, sind seine Rollen-Vorbilder immer noch mit dem internationalen Rockzirkus unterwegs. Der selbst ernannte „Fürst der Finsternis“ Ozzy Osbourne balanciert dabei oftmals auf dem schmalen Grat zwischen Kult und Fremdscham. Sein Ruhm als Rockmusiker gründet sich auf seine Zeit als Leadsänger der Heavy Metal-Legende „Black Sabbath“ in den 70er Jahren, sein Image als „Madman“ erwarb er sich bei einem Solo-Konzert Anfang der 80er, als er einer lebenden Fledermaus live auf der Bühne den Kopf abbiss.
Am stärksten geprägt wurde sein Bild in der Öffentlichkeit aber von der Reality Soap „The Osbournes“, die ab 2002 auf MTV lief und Ozzy und seine Famlie in ihrem Privatleben begleitete. Das Publikum erlebte einen von jahrzehntelangem schweren Alkohol- und Drogenkonsum gezeichneten Alt-Rocker, der scheinbar orientierungslos über sein eigenes Anwesen tapste, seine Umgebung in die Verzweiflung trieb und gleichzeitig als besorgter Vater und Ehemann versuchte, mit dem Wahnsinn des Familienlebens zurande zu kommen. In seiner liebenswürdigen Hilflosigkeit eroberte Ozzy die Herzen seiner Fans noch einmal im Sturm und legte den Grundstein für ein umjubeltes Comeback als Musiker. Gerade erst im August 2011 spielte er wieder als Headliner auf dem größten Heavy Metal-Festival der Welt in Wacken.
Aktuell in den News ist auch wieder Robert Smith, der zweite „Vater“ der Filmfigur Cheyenne: Seine Band „The Cure“ hat für den 02. Dezember 2011 die Veröffentlichung eines Live-Albums angekündigt. Als Mitglied bei „Siouxsie and the Banshees“ und Frontmann von „The Cure“ ist er seit Ende der 70er und Anfang der 80er eine der stilbildenden Ikonen der Dark Wave und Gothic Rock-Szene. Auch wenn er mit seiner Band vielleicht nie den absoluten Megastar-Status erreichte, gilt er für viele als eine der schillerndsten musikalischen Persönlichkeiten und begabtesten Songwriter der Rock- und Popwelt. Auf der Bühne trägt er oftmals einen verschmierten roten Lippenstift. Eigentlich hatte er wohl ursprünglich geplant, den Lippenstift „normal“ zu tragen. Da er aber auf der Bühne sowieso immer verschmierte, wenn er mit geschlossenen Augen in sein Mikro sang, erhob er dieses Stilmittel zu seinem persönlichem Markenzeichen.
Regisseur Paolo Sorrentino hat sich für CHEYENNES Look bewusst von Smiths Bühnenoutfit und seiner charismatischen Persönlichkeit inspirieren lassen. Den entscheidenden Impuls bekam er bei einem Konzert von „The Cure“ vor drei Jahren: „Da war Robert Smith, mittlerweile 50 Jahre alt, der immer noch exakt so aussah wie mit Zwanzig. Es war schockierend. Und das meine ich im positivsten Sinne des Wortes. Als ich ihn hinter der Bühne von Nahem sah, verstand ich, wie wunderschön und berührend Widersprüche in einem Menschen sein können. Vor mir stand ein 50-Jähriger, der sich immer noch voll und ganz mit einem Aussehen identifizierte, das eigentlich einem Jugendlichen gehört. Aber es war überhaupt nicht aufgesetzt oder albern oder traurig.“
Denn vor allem eines verbindet sowohl Robert Smith wie auch Ozzy Osbourne neben der optischen Verwandtschaft untrennbar mit Cheyenne: Man muss sie in all ihrer Widersprüchlichkeit und Unvollkommenheit einfach dafür lieb haben, dass sie sich immer treu geblieben sind und ihren völlig eigenen Weg gehen. Cheyennes Weg führt ihn nach dem Tod seines Vaters, mit dem er seit 30 Jahren nicht gesprochen hat, zurück nach New York. Dort erfährt er von der Besessenheit seines Vaters: Rache zu nehmen für eine schwerwiegende Demütigung, die er erfahren musste. Cheyenne beschließt, die Suche seines Vaters fortzuführen. Und begibt sich auf eine Reise, die ihn ins Herz der USA und zu sich selbst führt... „CHEYENNE – THIS MUST BE THE PLACE“ startet am 10. November 2011 bundesweit in den Kinos.
Es war für mich ein richtiger Schock, dass Paolo diesen Song, den ich geschrieben hatte, als Titel für seinen Film auswählte: CHEYENNE - THIS MUST BE THE PLACE. Im Verlauf des Films wird wiederholt auf ihn Bezug genommen, einmal wird er live gespielt, ein paar Mal glaube ich ihn auch noch im Hintergrund gehört zu haben. Davon fühle ich mich sehr geschmeichelt. Für mich ist der Song das geradlinigste Liebeslied, zu dem ich in der Lage bin. Das Lied ist grundehrlich, aber es sagt nicht all dieselben Dinge, wie man sie schon eine Million Mal gehört hat. Das ist wohl der Grund, warum die Menschen davon berührt und bewegt werden. Er scheint wahrhaftiger als all die Songs, die ein wenig glatter und voll mit all diesen Klischees sind.
Ich war auf Tour in Europa, und Paolo suchte mich in Turin auf. Sein fantastischer Film IL DIVO (Il Divo, 2008) war gerade in New York gelaufen und hatte hymnische Kritiken erhalten. Ich war also sehr glücklich, dass ich ihn kennenlernen durfte. Er und seine Produzenten arbeiteten bereits an einem neuen Filmprojekt und erzählten mir, worum es dabei gehen sollte. Sie erzählten mir nicht die ganze Geschichte, nur dass es um einen zurückgezogen lebenden Rockstar gehen sollte, und dass sie hofften, ich würde die Filmmusik dafür komponieren. Ich dachte mir, dass es ein ganz schön ambitionierter Schritt sei, von einem schönen und unglaublichen, aber doch eher wenig gesehenen italienischen Film hin zu einem, wie es mir erschien, ziemlich aufwändigen Film in englischer Sprache. Also sagte
ich ihnen, dass ich in der Gegend und auf Tour sei und man sich wieder an mich wenden sollte, wenn die Finanzierung und Produktion stünde. Und tatsächlich, ein Jahr später waren sie so weit und hatten einen Termin für den Drehstart und wollten wieder über die Musik reden. Ich war überrascht. Aber auf angenehme Weise.
Ich las also das Drehbuch. Drei Dinge gab es, die Paolowichtig waren. Zunächst wollte er, dass ich mit meiner Band in einer Szene eine Song der Talking Heads live spiele. Das war nicht besonders kompliziert. Dann gehörte es zur Geschichte, dass Sean Penns Figur von einem jungen Sänger und Liedermacher eine CD überreicht bekommt. Sie brauchten diese Songs, weil sich die Hauptfigur diese CD Lied für Lied im Verlauf seiner Reise anhört. Die Schwierigkeit lag darin, dass ich die Lieder zwar schreiben, aber unmöglich singen konnte. Man kennt meine Stimme, und sie ist offensichtlich nicht die
des Jungen. Um glaubwürdig zu sein, musste man einen Jungen finden, der die Lieder sang. Und schließlich ging es um den Score. Paolo hatte Beispiele für instrumentelle Passagen, ein gewisser Stil zeitgemäßer klassischer Stücke, den er sich für die Filmmusik wünschte. Aber ich schreckte ein wenig vor der Filmmusik zurück, weil ich dachte, ich hätte alle Hände voll mit den Demos zu tun, die der Junge geschrieben und aufgenommen hat. Sie durften nicht zu glatt und produziert klingen, sie mussten den Anschein erwecken, noch nicht ganz ausgearbeitet zu sein.
Im Drehbuch erwähnt Paolo den Songwriter Will Oldham, den man auch unter seinem Pseudonym Bonnie Prince Billy kennt, zur musikalischen Orientierung. Tatsächlich tritt der Junge in einem Einkaufszentrum auf und spielt dort eines von Wills Liedern. Also sagte ich zu Paolo: Warum sprichst Du Will nicht direkt an und fragst ihn, ob er die Lieder schreiben will? Paolo willigte ein und Will sagte, dass er das gerne versuchen wolle. Ich dachte, bevor wir uns zu weit aus dem Fenster rauslehnen, nehmen wir schnell mal ein paar ganz grobe Versionen mit Gesang auf und schicken das an Paolo, um zu sehen, ob wir uns auf dem richtigen Weg befänden. Ein paar davon funktionierten, also feilten Will und ich an ihnen weiter, schickten wieder ein paar grobe Skizzen an Paolo. Einige akzeptierte er, einige schoben wir auf die lange Bank. Das war der Prozess, den wir verfolgten, bis wir alle Songs beieinander hatten, mit Ausnahme eines Songs, für den Will den kompletten Text schrieb. Das war interessant, weil der Text völlig anders war als etwas, das ich schreiben würde. Das ist der Grund, warum man gemeinsam an etwas arbeitet. Das Ergebnis soll anders sein, als wenn man es allein gemacht hätte.
Der Name der Band im Film ist Pieces of Shit, was einen sofort an eine Punkband denken lässt. Die Musik, die wir erarbeitet hatten, passte nicht richtig dazu. Paolo gab uns zusätzlich eine Richtung, wenn er einen Song melancholischer haben wollte oder einen anderen fröhlicher. Die Hauptfigur basiert äußerlich vor allem auf Robert Smith, dem Sänger von The Cure. Ich sagte Paolo, dass ich vermutlich nicht der richtige Mann für die Musik wäre, wenn er wollte, dass sie nach The Cure klingt. Er winkte aber sofort ab. Er war der Ansicht, dass Cheyenne Musik stärker berühren würde, die nicht nach seiner
alten Band klingt. Es ginge mehr darum, dass er Musik hören sollte, die ihn so ergreift, dass er von ihr bewegt wird.
Paolo fragte mich, ob ich in ein paar kleineren Szenen als ich selbst auftreten wollte. Ich stellte mir sofort die Frage: Wie macht man das? Ich sagte ihm, dass ich keinerlei Ambitionen hegte, ein Schauspieler zu sein. Und er antwortete unmissverständlich: »Nein. Ich will, dass du du selbst bist; ich will, dass du David Byrne spielst.« Das fand ich noch verworrener. Aber dann dachte ich mir: Sean Penn wird so voll und ganz in seiner Figur aufgehen, dass ich einfach nur auf all die Dinge, die er sagt, reagieren müsste, wie ich es wohl im wahren Leben tun würde. Dann könnte das funktionieren. Wir geben ein ziemlich schräges Paar ab, dieser Cheyenne und ich. Aber es ist gar nicht mal so weit hergeholt, dass ich mich mit ihm anfreunden könnte.
Vielleicht hast du dich gefragt, welches Instrument David Byrne im Film CHEYENNE – THIS MUST BE THE PLACE spielt, als er sich mit seinem alten Freund CHEYENNE trifft. Hier die Antwort!
1. "Lord I'm Coming" Gavin Friday 2. "Lay & Love" The Pieces Of Shit 3. "Open Up" The Pieces Of Shit 4. "Chairmaine" Mantovani & His Orchestra 5. "Spiegel Im Spiegel" Daniel Hope/Simon Mulligan 6. "This Must Be The Place" (Naïve Melody) (Edit) Trevor Green 7. "This Must Be The Place" (Naïve Melody) (Live) David Byrne 8. "Gardermoen" Julia Kent 9. "Happiness" Jónsi & Alex 10. "Eliza" The Pieces Of Shit 11. "The Passenger" Iggy Pop 12. "You Can Like It" The Pieces Of Shit 13. "Achille's Heel: II. Second Bounce" Brooklyn Rider 14. "If It Falls It Falls" The Pieces Of Shit 15. "This Must Be The Place" (Naïve Melody) Gloria 16. "Every Single Moment In My Life Is A Weary Wait" Nino Bruno E Le 8 Tracce 17. "The Sword Is Yours" The Pieces Of Shit Mehr Infos gibt es hier!

Sean Penn ist ein zweifacher Oscar®- Preisträger, der in seiner beinahe 30-jährigen Karriere zu einer Ikone des amerikanischen Kinos geworden ist. Fünf Mal wurde er für einen Oscar® als bester Schauspieler vorgeschlagen.
Er erhielt zahlreiche Preise für seine Leistungen als Autor, Produzent, Regisseur, Theaterschau- Spieler, Kreativer, Vorbild, Visionär und vieles mehr.


Frances McDormand zählt zu den vielseitigsten Schauspielerinnen Amerikas. Unvergessen ist ihr mit dem Oscar® als Beste Darstellerin prämiertes Porträt der Provinzpolizeichefin Marge Gunderson in FARGO (Fargo, 1996), einem der größten Erfolge der Coen-Brüder.

David Byrne ist die treibende Kraft hinter den Talking Heads und Gründer der ausgesprochen angesehenen Plattenfirma Luaka Bop. Zudem arbeitet Byrne auch als Fotograf, Regisseur, Autor und Solokünstler und stellt seine Arbeiten seit über zehn Jahren regelmäßig aus. Er komponierte den Soundtrack zu CHEYENNE - THIS MUST BE THE PLACE.
Eve Hewson wurde in Dublin geboren, lebt aber mittlerweile in New York, wo sie an der NYU studiert. CHEYENNE - THIS MUST BE THE PLACE ist ihre zweite Filmarbeit. Davor war sie in Erica Duntons gelobten Independenterfolg THE 27 CLUB (2008) zu sehen gewesen, der beim Tribeca Film Festival sein Debüt gefeiert hatte.

Der in der Bronx geborene Schauspieler Judd Hirsch besuchte die CCNY, wo er seine Abschlüsse in Ingenieurswesen und Physik machte.
Eine Oscar®-Nominierung sicherte er sich für seine ikonische Darstellung als Tim Huttons Psychiater in dem Oscar®-Gewinner ORDINARY PEOPLE (Eine ganz normale Familie, 1980). Er spielte Russell Crowes Mathemtik-Mentor in A BEAUTIFUL MIND (A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn, 2001) und Jeff Goldblums Vater in Roland Emmerichs Blockbuster INDEPENDENCE DAY (Independence Day, 1996). Als nächstes wird man Hirsch in der Actionkomödie TOWER HEIST (Tower Heist, 2011) an der Seite von Ben Stiller, Eddie Murphy und Alan Alda sehen können.
Harry Dean Stanton ist eine Schauspiellegende, der seine Karriere in den Fünfzigerjahren begann und bis in die Gegenwart in zahlreichen Filmklassikern zu sehen war. Zuletzt hörte man seine Stimme in Gore Verbinskis Animationsfilm RANGO (Rango, 2011) mit Johnny Depp.
Kerry Condon gab ihr Debüt in dem Oscar®-nominierten ANGELA’S ASHES (Die Asche meiner Mutter, 1999). Unlängst wurde sie von der Kritik für ihre Leistung in THE LAST STATION (Ein russischer Sommer, 2009) mit Christopher Plummer und Helen Mirren gelobt, der 2010 für zwei Academy Awards nominiert wurde.
Heinz Lieven wurde 1928 in Hamburg geboren. Seine Karriere startete er auf Hamburgs Theaterbühnen und spielte bald auf vielen Bühnen in ganz Deutschland, einschließlich dem Schiller Theater in Berlin, dem Staatstheater Stuttgart und dem Nationaltheater in Mannheim. Bis zum heutigen Tag ist Lieven in Deutschland wie auch international ein hoch angesehener Schauspieler.

Paolo Sorrentino, Regisseur und Drehbuchautor, wurde 1970 in Neapel geboren.
2001 wurde sein erster Langspielfilm, L’UOMO IN PIU, mit Toni Servillo und Andrea Renzi bei den Filmfestspielen in Venedig gezeigt.
2004 ist er mit seinem darauffolgenden Film LE CONSEGUENZE DELL’AMORE im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes vertreten und wird von der italienischen und der internationalen Presse gefeiert.

Umberto Contarello wurde 1958 in Padua geboren. Er hat an der Universität seiner Heimatstadt Literatur und Philosophie studiert und arbeitet seit 1982 als professioneller
Drehbuchautor.
Contarello hatte darüber hinaus Cameo-Auftritte in Nanni Morettis CARO DIARIO (Liebes Tagebuch, 1993) und Paolo Sorrentinos IL DIVO (Il Divo - Der Göttliche, 2008).
Luca Bigazzi ist ein preisgekrönter Kameramann und in Italien extrem gefragt. Mit CHEYENNE - THIS MUST BE THE PLACE arbeitet er bereits zum vierten Mal mit Paolo Sorrentino zusammen nach IL DIVO (Il Divo - Der Göttliche, 2008) L’AMICO DI FAMIGLIA (2006) und LE CONSEGUENZE DELL’AMORE (2004).
CHEYENNE – THIS MUST BE THE PLACE markiert die siebte Zusammenarbeit von Cristiano Travaglioli und Paolo Sorrentino. Travaglioli schnitt für den Regisseur bereits IL DIVO (Il Divo – Der Göttliche, 2008) sowie die Kurzfilme La Partita Lenta und La Notte Lunga und fungierte als Schnittassistent bei L’AMICO DI FAMIGLIA (2006), LE CONSEGUENZE DELL’AMORE (2004) und L’UOMO IN PIU (2001).
In meinen Augen muss es sich bei jedem Film um eine unnachgiebige Jagd nach dem Unbekannten und einem Geheimnis handeln – weniger um unbedingt die Antwort zu finden, als vielmehr die Frage an sich am Leben zu erhalten. Während der Entstehungsphase dieses Films kreisten meine Gedanken immer wieder um eine Sache: Was für ein mysteriöses und geheimes Leben führen ehemalige Naziverbrecher in irgendwelchen Teilen der Welt? Es sind Männer, die mittlerweile die beruhigenden Züge harmloser, alter Menschen besitzen, deren Vergangenheit aber auf ewig von dem unaussprechlichsten aller Verbrechen gekennzeichnet ist: der geplanten Auslöschung anderer Menschen. Das sind zwei Bilder, die man nur schwer zusammenbekommt. Um einen dieser Männer aufzuspüren,musste es also eine Jagd geben. Und wenn man eine Jagd hat, muss es einen Jäger geben. Hier kommt ein weiteres Element des Films ins Spiel: Für mich muss jedes Drama immer mit Ironie gebrochen werden. Das ist eine ganz instinktive Reaktion von mir. Umberto Contarello und mir war klar, dass es keinen institutionellen Nazijäger geben durfte, vielmehr schwirrte uns die Antithese eines herkömmlichen Detektivs im Kopf herum: ein langsamer, fauler Rockstar, der so gelangweilt und in seiner sich unentwegt nur aus sich selbst speisenden Welt gefangen ist, dass er auf den ersten Blick der absolute letzte Mensch ist, von dem man sich vorstellen könnte, dass er sich auf so etwas Verrücktes wie die Jagd nach einem Naziverbrecher, der vielleicht auch schon tot ist, quer durch die USA einlässt. Der Tragödie aller Tragödien, dem Holocaust, die Welt der Popmusik gegenüber zu stellen, der Inbegriff des Aufgeblasenen, Oberflächlichen und Frivolen, schien mir eine Kombination, die so gefährlich und gewagt ist, dass sich daraus eine interessante Geschichte entwickeln ließ. Ich finde, eine Geschichte ist es nur dann wert, erzählt zu werden, wenn die Gefahr besteht, dass man sie in den Sand setzt, dass man daran scheitert. Ich hoffe natürlich, dass ich nicht gescheitert bin.
Cheyenne ist kindlich, aber nicht unberechenbar. Wie viele Erwachsene, die ihre Kindheit nie so recht hinter sich lassen, hat er es raus, nur die klaren, berührenden und erträglichen Eigenschaften von Kindern für sich behalten zu haben. Aufgrund eines traumatischen Erlebnisses ist er auf der Höhe seines Ruhmes aus dem Musikgeschäft ausgestiegen. Seither versucht er vergeblich, ein Zentrum in seinem Leben zu finden. Es zieht sich einfach nur dahin, oszilliert zwischen Langeweile und leichter Depression. Er schwebt. Und wie das so ist bei Männern, deren Füße den Boden nicht so recht berühren, findet er das Leben nur erträglich, wenn er ihm mit Ironie und Oberflächlichkeit begegnet. Diese Einstellung spiegelt sich unmittelbar in der Art und Weise, wie er von anderen Menschen gesehen wird. Cheyenne ist völlig unabsichtlich ein wahrhaftiger Quell der Freude. Wenn er auf die für ihn typische naive und gedankenlose Weise sagt, das Leben stecke voller Schönheit, dann will man ihm förmlich glauben. Weil da ein kleiner Junge spricht. Und tief in sich will man unbedingt der alten Weisheit glauben: Kindermund tut Wahrheit kund.
Ich schickte das Drehbuch an ihn in dem festen Glauben, das ich Monate auf seine Antwort würde warten müssen. Es gibt das Gerücht, auch wenn ich es nicht bestätigen kann, dass Sean im Monat um die 40 Drehbücher zugeschickt bekommt. Als ich es abgeschickt hatte, begann ich mir sofort den Kopf darüber zu zerbrechen, ob es nicht noch eine andere Idee gäbe, die ein wenig realistischer sein würde. Ehrlich gesagt, war dieser verrückte Plan von mir, einen unabhängigen Film in den USA mit dem Typen, der gerade den Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen hatte, zu drehen, doch eher unrealistisch. Ich war mir sicher, dass da nichts daraus werden würde. Stattdessen hatte ich 24 Stunden später eine Nachricht von Sean Penn auf meinem Anrufbeantworter. Ich dachte natürlich zuerst, dass mir da jemand einen Streich spielt. Was auch sonst? Mein Produzent Nicola Guiliano, mit dem ich gut befreundet bin, spielt gerne Streiche und hat ein Talent, seine Stimme zu verstellen. Aber ich hatte mich getäuscht. Mitten in der Nacht führte ich ein Telefongespräch mit Sean Penn, der mir erzählte, wie gut ihm das Drehbuch gefiel und dass ihm nur die eine Szene Sorge bereitete, in der er tanzen sollte. Ich fand, dass das ein Problem war, das sich bewältigen lassen würde. Einen Monat später reiste ich mit meinem Drehbuchautoren und Produzenten nach San Francisco, um mich mit Sean zu treffen. Wir verbrachten einen wunderbaren Abend miteinander, in dessen Verlauf er immer neue Ideen entwickelte, wie seine Figur zu spielen war. Eine Bestätigung für eine Vermutung, die ich schon lange habe: Große Schauspieler wissen immer mehr über ihre Figuren als der Autor oder der Regisseur.
Es ist immer riskant, eine persönliche Vision von etwas umsetzen zu wollen, das man nicht sehr gut kennt. Nun habe ich schon viele Reisen auch durch die entlegenen Ecken des Landes unternommen, aber trotzdem ist mein Blick immer noch der eines Touristen. Ich hatte aber eine gute Entschuldigung: eine Hauptfigur namens Cheyenne, der seit 30 Jahren keinen Fuß mehr auf amerikanischen Boden gesetzt hatte. Wir waren beide Touristen, allerdings mit einem offenen Rückflugticket. Also machten wir uns daran, eine Welt zu entdecken, die uns schon unendlich oft beschrieben wurde, einfach weil sie so flüchtig und wandelbar ist.
Ich habe die Musik mit dem Herzen ausgewählt, wie das Autoren gängiger Frauenliteratur sagen würden. Spaß beiseite, es war wirklich so. Anders als in der Vergangenheit hatte ich nicht das Bedürfnis, rational an die Musik heranzugehen. Ich wollte vielmehr die gewaltige Emotion und Leidenschaft noch einmal erleben, als mich mein neun Jahre älterer Bruder in meiner Kindheit in die Geheimnisse dieser großartigen Musik, die man Rock’n’Roll nennt, einweihte. Ich habe mich in dieser Phase meines Lebens mit großer Begeisterung daran gemacht, alles genau zu untersuchen, was mit Rock zu tun hatte. Besonders hatten es mir die Talking Heads und deren brillanter Kopf David Byrne angetan. Also habe ich es gewagt, David Byrne drei Fragen zu stellen, als ich mit der Arbeit an CHEYENNE - THIS MUST BE THE PLACE begann: ob ich den Song als Titel und Themensong verwenden dürfte, ob er die Filmmusik komponieren wollte, und ob er selbst im Film auftreten wollte. Raten sie mal: Er hat dreimal mit Ja geantwortet.